Es war ein ganz normaler Dienstag. Morgens stand ich vor dem Spiegel. Früher hätte ich weggeschaut. Aber diesmal… blieb ich stehen.
Und zum ersten Mal seit Ewigkeiten dachte ich nicht: „Gott, ich sehe alt aus.“
Ich dachte nur: „Hey… das bin ich.“
Nicht diese müde, geschwollene Augenpartie, die mich jeden Tag runterzieht. Sondern ich.
Auf der Arbeit kam meine Kollegin vorbei und sagte: „Lisa… du siehst richtig gut aus!“
Früher war es eher: „Alles okay? Du siehst so erschöpft aus.“
Jetzt war es: „Du siehst gut aus.“ Nachmittags hatte ich ein Video-Meeting. Früher: Kamera aus. „Schlechte Verbindung.“ Diesmal klickte ich auf „Kamera an“. Ohne nachzudenken.
Nach dem Meeting meinte mein Chef: „Schön, dich mal wieder zu sehen.“
Abends rief meine beste Freundin an: „Lust auf Essen?“ Früher: „Oh… heute schaff ich’s nicht.“ Jetzt: „Ja, klar. Wann?“
Im Restaurant merkte ich plötzlich etwas Verrücktes: Ich dachte keine Sekunde an meine Augen. Nicht an Schatten. Nicht an Schwellung. Nicht an Concealer.
Ich war einfach da. Präsent. Locker. Ich selbst.
„Komm, wir machen ein Foto!“ Früher: „Nee… lieber nicht.“ Jetzt: „Ja, klar!“
Später im Auto schaute ich das Foto an. Und ich dachte: „Das bin ich. Und ich sehe gut aus.“ Ich fuhr nach Hause… und habe geweint. Vor Erleichterung. Weil mir klar wurde: Ich hatte mich monatelang versteckt. Ausreden erfunden. Mich geschämt. Und jetzt war ich wieder da.